Presse

Auflehnung gegen den Tod mit dem Bach-Chor Wels

In der Herz-Jesu-Kirche Wels beendete der Bach-Chor Wels am Sonntag die von ihm getragene Konzertreihe zum 70. Geburtstag von Ernst Ludwig Leitner. Der 1926 von Johann Nepomuk David gegründete Chor wurde von 1971 bis 1996 von Leitner geleitet, und daher war eine Uraufführung zum Finale fast selbstverständlich, und zwar ein höchst dramatisches Oratorium, das das Leiden und Sterben Jesu Christi nicht mitleidsvoll zur Kenntnis nimmt, sondern mit aller Kraft dagegen aufzubegehren scheint.

Via crucis“ ist keine verhaltene Passionsmusik. Hier hofft keine durch das Fegefeuer verunsicherte und in Angst und Schrecken versetzte Seele auf Erlösung im ewigen Paradies. Hier klagt sie das Unrecht aller Unrechte an und schreit das höchste Leid der Menschheit hinaus und nimmt es nicht schmerzvoll auf sich. Leitners Musik gestaltet ein mitreißendes Passionsdrama, das sicherlich mit musikalischen Klischees spielt – doch nur, um mit Nachdruck Emotionen aufflammen zu lassen.

Die zwölf Bläser und der Pauker der Universität Mozarteum Salzburg waren genauso intensiv gefordert wie der großartige Evangelist Martin Achrainer und der von Thomas Ch. Huber fabelhaft studierte Bach-Chor. Mit derselben Energie dirigierte Thomas Ch. Huber auch „Introitus, Choral und Fuge über ein Thema von Anton Bruckner“ für Orgel und neun Bläser von Johann Nepomuk David, ein fein gestaltetes Brucknersches A-cappella-„Christus factus est“ sowie Leitners Fassung des 150. Psalms für Orgel, zwölf Bläser und Pauken, bei dem der Chor allerdings unverständlich pausieren musste. Eine nicht zu unterschätzende Hauptrolle spielte auch Bettina Leitner, die fulminant an der Orgel agierte.

Michael Wruss: Oberösterreichische Nachrichten, 11.11.2013
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Eine Wiedergabe der „Weihnachtsgeschichte“ von Hugo Distler (1908 – 1942) auf erfreulich hohem Niveau in der Welser Herz-Jesu-Kirche: Die für gemischten A-cappella-Chor und sechs Gesangssolisten konzipierte Historie, zwischen diversen Variationen des Liedes „Es ist ein Ros entsprungen“ angesiedelt, ergab mit den konzentriert singenden „Bachchor Wels“ und dem kultivierten Bariton Christoph Wigelbeyer unter dem Dirigenten Thomas Christian Huber ein überzeugendes Ergebnis. Choralvorspiele von Bach und Chorsätze von J. F. Doppelbauer rundeten das Programm ab.

Balduin Sulzer, Kronenzeitung 15. 12. 2009
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Stimmungsvolle Weihnachtsgeschichte

Der Bach-Chor Wels setzte mit der „Weihnachtsgeschichte“ von Hugo Distler eine zugkräftige, wenn auch selten zu hörende Chorkomposition auf sein Advent-Programm. Der Reinerlös kommt der Renovierung der Welser Herz-Jesu-Kirche zugute, in der der Benefizabend stattfand. Mit Choralvorspielen von Bach setzte zu Beginn Organist Florian Zaunmayr auf dem glanzvollen Instrument stimmungsvolle Klangeffekte. Dazwischen sang der Chor unter Thomas Christian Huber Motetten von Heinrich Schütz und dem Welser Josef Friedrich Doppelbauer (1908 – 1989). Im Mittelpunkt stand aber das erfreuliche und anspruchsvolle A-capella-Werk aus der Feder des deutschen Neoklassizisten Hugo Distler (1908 – 1942). Die diversen Chor-Nummern wurden in der Text- wie Intonationsgestaltung zum Erlebnis. Einzelne Chorsolisten vor allem aber der singende „Erzähler“ Christoph Wigelbeyer (Bariton) werteten den Gesamteindruck entscheidend auf. Großer Beifall des zahlreichen Publikums.

Christine Grubauer, Volksblatt 15. 12. 2009
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Carmina Burana

Wels, Minoritenplatz. Bevor „König Fußball“ damit begann den Minoritenplatz zu regieren, wurde dieser erstmals in der Welser Kulturgeschichte zur Bühne für ein klassisches Open-Air-Konzert. Der Kiwanis Club Wels, Initiator dieses besonderen Ereignisses, brachte die „Vereinigten Welser Chöre“ (Bach Chor, Hans Sachs Chor, A Capella Chor und Kinderchor) mit dem Orchester Camerata Wels zusammen, um gemeinsam im Herzen der Stadt zu musizieren. Aufgeführt wurden die Jazz Suite Nr. 2 von Dimitri Schostakowitsch und Carmina Burana von Carl Orff. Unter der Gesamtleitung von Thomas C. Huber (Dirigent) und mehr als 250 Akteuren, sowie den fabelhaften Solisten Jelena Radojcic (Sopran), Matthias Helm (Bariton) und Joaquin Asiain (Tenor) wurde eine eindrucksvolle Soirée inszeniert. Ein bezaubernder Kulturabend im Zeichen der „guten Tat“, der sich allemal mit der gegenwärtigen Begeisterung und Leidenschaft für die EURO 08 messen kann. Der Erlös dieser Veranstaltung kommt behinderten Kindern zugute, denen der Kiwanis Club eine Brücke in die Zukunft bauen möchte.

Welser Rundschau, 11. Juni 2008
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Welser Bach-Chor heftig beklatscht

Es zählt zu den musikalischen Weihnachtshits schlechthin: Georg Friedrich Händels herausforderndes Weihnachtsoratorium „Der Messias“. Der Bach-Chor Wels servierte ihn mit den Wiener Bachsolisten als beachtlichen Beitrag zur Adventzeit. Große weihnachtliche Festmusik gehört eigentliche genauso zur Vorfreude wie Punsch und Vanillekipferln, wie glänzende Lichter und bunt geschmückte Bäume. Doch heuer haben die großen Konzertveranstalter dahingehend versagt. Sie präsentierten lieber Kabarett und Show, so daß man umso dankbarer sein muß, daß sich die Laienchöre mit umso größerem Engagement dieser Tradition annehmen. So profilierte sich der Bach-Chor Wels am vergangenen Samstag in der Welser Herz-Jesu Kirche mit einem der Weihnachtshits schlechthin – mit Händels „Messias“.

Oder eigentlich „Messiah“ denn auch in Wels wählte man eine um einige Arien und Chöre gekürzte englischsprachige Fassung. Thomas Christian Huber, seit 1996 Leiter des von Johann N. David 1926 gegründeten Traditionschores, wählte für seine Interpretation durchwegs schnelle, bisweilen tänzelnde Tempi. Sie kamen dem freudigen Charakter sehr entgegen, verlangten aber dem Chor einiges an Sportlichkeit ab. Die virtuosen Koloraturen meisterten dabei die blitzsauberen Soprane sehr überzeugend, während die klanglich stattlichen Herren manchmal ein gemütlicheres Tempo vorgezogen hätten. Insgesamt war die Leistung des Bach-Chores mehr als beachtlich und man darf mit Recht Stolz darauf sein, dieses doch immer wieder herausfordernde Oratorium gemeistert zu haben.

Etwas Winterschläfrigkeit steckte schon im „professionellen“ Begleit-Orchester, den Wiener Bachsolisten. Sie kamen deswegen über kaum mehr als die Routine hinaus und trübten damit den Gesamteindruck doch etwas. Die viel zu großen Pausen zwischen den einzelnen Sätzen ließen dabei keine echte Dramaturgie erkennen. Unter den Solisten herausragend: Matthias Helm mit seinem vollen und trotzdem virtuos beweglichen Bass. Vor allem auch deshalb, weil er ganz genau zu phrasieren und Inhalte emotional zu transportieren weiß. Mit klangvoll weicher Altstimme punktete Katrin Wundsam: Sie könnte noch mehr expressiven Mut aufbringen. Ursula Langmayr wirkte zwar stellenweise etwas angestrengt, konnte aber dennoch genauso überzeugen wie auch der stimmlich etwas angeschlagenen Christian Havel. Für diese in Summe sehr gelungene Aufführung von Händels „Messias“ gab es verdient heftigen Applaus.

Michael Wruss, OÖ Nachrichten, 5. 12. 2005